Rezension: Christentum und europäische Kultur

Peter Antes (Hg.), Freiburg 2002, 192 Seiten

Das Ziel des vorliegenden Buches ist so schlicht wie anspruchsvoll: aufzuzeigen, wie das Christentum über 2000 Jahre hinweg europäische Kultur - unterteilt in die Bereiche »Bildende Kunst», »Musik«, »Literatur«, »Recht«, »Naturwissenschaft«, »Philosophie« - geprägt hat. Entstanden sind dabei gut lesbare Überblicksartikel, Bausteine für eine noch zu schreibende abendländisch-christliche Kulturgeschichte. Bei aller Betonung der kulturellen Präge- kraft des Christlichen wird auch nicht verschwiegen, dass in der Moderne zwischen Kultur und Christentum eine Entfremdung eingetreten ist. Diese Distanz muss jedoch nicht das Ende, sondern kann den Anfang neuer Begegnungen und gegenseitiger Entdeckungen sein. Dieses Buch wäre dazu ein historisch orientierter Annäherungsversuch.
Der Anspruch des Buches ist hoch, vielleicht sogar zu hoch. Manches bleibt notgedrungen beim großen Überblick auf der Strecke. Das ist akzeptabel. Schwerer allerdings wiegt eine implizite hermeneutische Vorentscheidung: Dass »das jüdisch-christliche Denken Europa geprägt und
mitgestaltet« habe (10). Das mag weitgehend stimmen. Aber gab es nicht auch ein zumindest heimliches Wechselspiel zwischen Christentum und Abendland? Hat Europa sich nicht auch an manchen Punkten gegen das Christentum »kultiviert« und das Christentum gerade dabei Neues entdeckt und sich selber weiterentwickelt? Diese Lernfähigkeit wäre ein Hoffnungsschimmer für die Zukunftsfähigkeit des europäischen Christentums. Das Buch selber ist schön gestaltet und mit kurzem Anmerkungsteil und gutem Register leserfreundlich. Ratlos dagegen nimmt der Rezensent den Hinweis auf die Autoren dieses Buches zur Kenntnis. Denn dieser ist betitelt: »Die Beiträgerinnen und Beiträger dieses Bandes«. Mit dieser ungewöhnlichen Sprachwendung enden 2000 Jahre christlicher Kultur - jedenfalls vorläufig.

Hans Jürgen LuibI

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