Rezension: Unterwegs nach Europa

H.J.Luibl, C.R. Müller, H.Zeddies (Hg.), Frankfurt am Main 2001, 272 Seiten

Facettenreiches Bild
Protestantismus heute

 

«Die protestantischen Kirchen sprechen nicht mit einer Stimme. In einem Geist hingegen formulieren sie in vielen Sprachen ihre besonderen Anliegen für ein zukünftiges Zusammenleben in Europa.» So fasst Heinrich Rusterholz in den ersten Sätzen des Buches das beeindruckende Lesebuch zusammen, das mit 43 verschiedenen Beiträgen in Deutsch und Englisch (oder Französisch) ein facettenreiches Bild des europäischen Protestantismus heute vermittelt. Die Unterschiedlichkeit, die oft das Lesen von Sammelbänden erschwert, macht in diesem Fall das Lesen gerade zu einem spannenden Erlebnis. Von Kapitel zu Kapitel wird man noch mehr überrascht über die Vielfältigkeit des Protestantismus, die mit der unterschiedlichen Geschichte der verschiedenen Völker und Kirchen zu tun hat, die aber zugleich von den zahlreichen Möglichkeiten der protestantischen Lebenshaltung zeugt. Der Protestantismus hat entscheidend zur Vielfalt Europas beigetragen - und tut dies heute noch. Hier wird gegen Vermischung von Christentum und Nationalismus gekämpft, hier wird die Säkularisierung als Herausforderung auch im positiven Sinne dargestellt, hier wird auf die fehlende Solidarität mit den notleidenden Mitmenschen in Europa, aber auch in der übrigen Welt aufmerksam gemacht. Ein Buch, das zum Denken anregt über die europäische Seele, über die Möglichkeiten und Grenzen der Ökumene und über das Zusammenleben mit anderen Religionen, auch mit dem Islam.

Peter Stokholm

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